Ort: 3011 Bern
Bauträgerschaft: KAISERHAUS HANDELz AG
Leistungen: Alle Phasen nach SIA
Status: Fertiggestellt
Jahr: 2025-2026
Fotos: Fabian Brügger und SMA.
Links: Kaiserhaus OFGOODS


Kaiserhaus OFGOODS
Gestartet sind wir mit einem Raumgerüst - eine Gesamtvision, welche die räumliche Leitidee definiert. Darauf aufbauend entwickelten und realisierten wir zirkuläre Einbauten. Abschliessend kuratierten wir die heterogenen Verkaufswelten mit allen Beteiligten.
Für das Raumgerüst liessen wir uns von den unveränderbaren Raumtypologien inspirieren: Es entwirft die Szenografie und schafft dreidimensionale Gefässe. Es beschriebt Inhalte, Form und Gestaltung bleiben dabei aber offen. Das Gerüst besteht aus drei unterschiedlichen Ebenen: Grundausstattungen (verkaufsfördernde und/oder -zwingende Einbauten), Infrastrukturen (flexible, kuratierbare Einbauten) und Verkaufswelten. Die drei Ebenen stehen in einer ständigen Wechselwirkung.
Die durch uns geplanten und gestalteten Einbauten sind multifunktionale und zirkuläre Neuentwicklungen. Jeder Einbau ist in Form, Nutzung, Herstellung und Lebensdauer einzigartig und wurde im Sinne der Zirkularität präzise und sorgfältig entwickelt. Während des einjährigen Planungs- und Realisierungsprozesses wurden die Chancen und Grenzen der Zirkularität mit dem 9R-Framework erprobt.
Noch ist nicht alles fertig, nicht alles schon gebaut. Mit Absicht. Ein Ort, der auf Kreislaufprinzipien basiert, darf wachsen, sich verändern, agil bleiben.
Zirkularität
Im Rahmen der Entwicklung der diversen Einbauten, wird ein besonderes Augenmerk auf die Zirkularität gerichtet. Als Basis für die Auseinandersetzung mit diesem Thema dient das 9R Framework, das heute allgegenwärtig ist und als bekanntes Werkzeug für zirkuläre Strategien dient. Es ordnet die Strategien nach ihrem Ausmass an Zirkularität ein. Die Faustregel gilt: Je tiefer die R-Zahl, umso weniger Ressourcen werden benötigt und umso geringer ist die Umweltbelastung.
Die Strategien werden pro Einbaute präzise benannt, um ab der Planung über die Lieferketten, der Produktion und letztendlich auch in der Vermittlung eine klare Haltung einnehmen zu können. Der Lebenszyklus soll über das Framework hinaus in die Betrachtung bedacht werden. In Zeiten wachsender Umweltprobleme und Ressourcenknappheit ist das Thema nachhaltiges Bauen aktueller denn je.

agile Kuration
Das OFGOODS versteht sich als ein Ort im stetigen Wandel. Das Zusammenspiel von Grundausstattung, flexiblen Einbauten und den Menschen, die diese bespielen, wird kontinuierlich weiterentwickelt. So entstehen neue Angebote, Atmosphären und Nutzungen, die das Haus wachsen und lernen lassen.
Diese Kuration begann bereits im Entstehungsprozess und setzt sich im Betrieb fort. Ein interdisziplinäres Kurationsteam koordiniert die laufende Entwicklung: Es begleitet die Ideen der Konzessionär:innen, prüft neue Einrichtungen und verknüpft Sortiment, Atelier, Veranstaltungen und Präsentation zu einem stimmigen Ganzen. So bleibt das OFGOODS agil, relevant und zukunftsfähig.



Beschrieb
Der zweigeschossige Kubus bildet das räumliche Zentrum des OFGOODS. Als frei stehendes Statement Piece zieht er Besucher:innen an, schafft Sichtbeziehungen und verbindet Erdgeschoss und Untergeschoss. Er lädt dazu ein, umrundet, durchquert und bestiegen zu werden und macht den Handel zum räumlichen Erlebnis.
Seine modulare Konstruktion mit einheitlichen Regalrastern ermöglicht eine flexible Präsentation und die kontinuierliche Anpassung an ein sich wandelndes Sortiment. Gleichzeitig kann der Raum für Veranstaltungen, Debatten oder Konzerte genutzt werden. Ein transluzenter Vorhang sichert den Verkaufsbereich und erhält dessen Präsenz auch während Events.
Der Kubus wird, wo immer möglich, aus wiederverwendeten Materialien gefertigt und folgt den Prinzipien der Kreislaufwirtschaft. Demontierbare Stahlstrukturen, wiederverwendbare Holzbauteile, rezyklierbare Regalböden sowie sichtbare Haustechnik schaffen eine langlebige, anpassungsfähige Architektur, die Funktionalität, Nachhaltigkeit und Gestaltung zu einem identitätsstiftenden Ganzen verbindet.







Beschrieb
Der Kiosk ist der erste Berührungspunkt mit der Welt des OFGOODS. Er ist Ankunftsort, Informationspunkt und Verkaufsfläche zugleich und vermittelt die Haltung des Hauses bereits beim Eintreten. Als prägnantes Möbel zieht er Besucher:innen an, lädt zum Entdecken ein und präsentiert ein sorgfältig kuratiertes Sortiment – von Eigenprodukten über Atelierarbeiten bis zu ausgewählten Objekten der Konzessionär:innen.
Seine modulare Gestaltung ermöglicht eine flexible Nutzung und bildet die Grundlage für weitere Präsentationsobjekte im Haus. Durch steckbare Elemente, wandelbare Tablare und eine offene Konstruktion kann der Kiosk auf unterschiedliche Anforderungen reagieren und sich kontinuierlich weiterentwickeln.
Konzipiert nach den Prinzipien der Kreislaufwirtschaft, setzt der Kiosk auf ein demontierbares Holzsystem, sichtbare Konstruktionen und wiederverwendbare Bauteile. Reparaturfreundliche Details, zugängliche Installationen und eine langlebige Materialisierung schaffen ein robustes, anpassungsfähiges Möbel, das Funktion, Identität und Nachhaltigkeit vereint.








Beschrieb
Tische und Umkleiden sind mehr als funktionale Einbauten – sie sind Teil der Szenografie der Boutique. Sie strukturieren den Raum, führen Besucher:innen durch die Ausstellung und schaffen Orte für Präsentation, Anprobe und Begegnung. Abschliessbare Tischsockel bieten zugleich Stauraum für die Konzessionär:innen und verbinden Funktion mit einer klaren gestalterischen Sprache.
Die Einbauten folgen dem Prinzip «use it all»: Aus regionalen Einschichtplatten entstehen Tische und Umkleiden als räumliches Puzzle, bei dem sämtliche Platten möglichst vollständig genutzt werden. Freiformen, Farbakzente und sichtbare Materialität verleihen den Objekten einen eigenständigen Charakter und machen sie zu identitätsstiftenden Elementen des OFGOODS.
Die Konstruktion ist auf Langlebigkeit und Kreislauffähigkeit ausgelegt. Wiederverwendbare Standardmöbel, steckbare Verbindungen und austauschbare Bauteile ermöglichen Reparaturen, Anpassungen und eine spätere Weiternutzung. So verbinden die Einbauten hochwertige Gestaltung mit einem ressourcenschonenden Umgang mit Material.






Beschrieb
Die Cluster sind die dezentesten Elemente des OFGOODS und gleichzeitig die vielseitigsten. Über alle Flächen verteilt, bieten sie Marken und Clusterer:innen eine individuelle Bühne für ihre Produkte, ihre Geschichten und ihre Philosophie. Ihre zurückhaltende Grundgestalt bildet dabei bewusst den Hintergrund – die Aneignung durch die Nutzer:innen steht im Mittelpunkt.
Als modulare Präsentationssysteme reagieren die Cluster auf unterschiedlichste Anforderungen. Gedreht, gekippt oder umgedreht können sie als Regal, Sitzgelegenheit, Bar oder Ausstellungselement genutzt werden. Ergänzende Elemente wie Kleiderstangen, Tablare oder Präsentationsflächen erweitern die Möglichkeiten und machen jedes Cluster zu einem wandelbaren Werkzeug.
Die Konstruktion folgt konsequent den Prinzipien der Kreislaufwirtschaft. Holzplatten und Stahlrohre werden in einem klar getrennten System verbunden, verschraubt und gesteckt statt verklebt. Dadurch lassen sich die Module einfach umbauen, reparieren und an neue Anforderungen anpassen. Die Cluster sind damit nicht nur Präsentationsmöbel, sondern langlebige, aneigenbare Bausteine einer sich wandelnden Handelslandschaft.






Beschrieb
Das Podest ergänzt den modernen Bazar als ruhiges Gegenstück und fügt sich selbstverständlich in das Gesamtkonzept des OFGOODS ein. Während der benachbarte Bazar als lebendige und bewegte Mitte wirkt, nimmt das Podest den Bewegungsfluss der Besucher:innen auf und erweitert den Raum durch seine dynamische Form und gezielt gesetzten Treppenstufen.
Die Gestaltung folgt den Prinzipien der Nachhaltigkeit und des respektvollen Umgangs mit dem Bestand. Als ergänzende Struktur bleibt das Podest eigenständig, ohne den bestehenden Raum zu überformen. Seine monolithische Erscheinung orientiert sich am vorhandenen Betonpodest und schafft eine zurückhaltende, robuste Präsenz.
Die Konstruktion aus einem vorgefertigten Rippengerüst ermöglicht die Aufnahme von Neigungen des Untergrunds und Rundungen der Seitenteile. Durch die geschraubten Verbindungen bleibt das System demontierbar und anpassbar. Sichtbare Fugen machen die Konstruktion nachvollziehbar und ermöglichen eine einfache Reparatur sowie die Wiederverwendung einzelner Bauteile.

Collabs
Merci an Atelier Otta, für den Support in der Entwicklung des Raumgerüsts und der Planung und Realisierung diverser Einbauten.
Danke auch an Atelier Poisson für die spannende Collab in der Entwurfsphase vom grünen Kiosk.
